Sonntag, 9. März 2014

Wer bin ich?

Ich arbeite wie bereits erwähnt seit fast zwei Jahren als Rektor. Seit August 2013 bin ich für zwei Schuleinheiten verantwortlich. Die eine Einheit ist ein Teil einer grösseren Grundschule von der Vorschulklasse bis zum 9. Schuljahr und ich bin für das 4. und 5. Schuljahr verantwortlich. Die andere Einheit ist eine Grundschule von der Vorschulklasse bis zur 5. Klasse, anschliessend wechseln die Schüler alle zu einer anderen Schule, da wir nicht ausreichend Platz haben. Um das Ganze zu verstehen, muss ich mal kurz auf das schwedische Schulsystem eingehen:

Vorschule = Kindergarten, wer arbeitet kann sein Kind zwischen 6.30 und 18.30 in die Vorschule geben. Wer nicht arbeitet oder studiert, hat 15 h pro Woche. 
Vorschulklasse = eigentlich die 1.Klasse, aber eher ein Zwischending, wird auch manchmal die 0. Klasse genannt, befindet sich in der Schule, Betreung wie 1.-5. Klasse. 
1. bis 9. Klasse = Grundschule für alla, alle Grundschulen haben eine Früh-und Nachmittagsbetreuung bis max. 18.30. Die meisten Kinder hören in der 4. oder 5. Klasse mit der Betreuung auf, auch hier muss gearbeitet werden, um einen Platz zu bekommen.
Anschliessend folgt das Gymnasium: 3 Jahre, entweder berufsvorbereitend oder studienvorbereitend (insgesamt 18 Programme, 99% gehen aufs Gymnasium), die beruflichen Programme, die man wählen kann, geben einem auch die Vorraussetzungen zu einem Studium, gleichzeitig wird man z.B. Friseur oder Automechaniker, ev. muss man noch einige Kurse dazu wählen um ein bestimmtes Studium machen zu können, die studienvorbereitenden Programme geben dem Schüler nicht die Möglichkeit anschliessend direkt zu arbeiten, in erster Linie geht man weiter zum Studium.

Ich habe ca. 30 Mitarbeiter, das ca. kommt daher, dass immer mal einer aufhört oder ein Praktikant dazukommt. Meine Mitarbeiter sind Lehrer, "Freizeitpädagogen" (das sind pädagogische ausgebildete Mitarbeiter, die in der Nachmittagsbetreuung arbeiten), Erzieher (Mitarbeiter, die auf dem Gymnasium eine pädagogische Richtung) und Spezialpädagogen.
Ich habe auch eine Kollegin auf der einen Grundschule und wir teilen uns die Aufgabengebiete untereinander auf. Sie hat auch noch eine andere Schule für die sie verantwortlich ist. Insgesamt haben wir ca. 485 Schüler und 65 Mitarbeiter.

Morgen beginne ich meine dreijährige Schulleiterausbildnung an der Linnéuniversität. Das ist ein Master-Studiengang, der zur Hälfte vom Staat und zur Hälfte von der Kommune bezahlt wird. Man arbeitet weiter und studiert gleichzeitig als Fernstudium mit ca 20% Zeitaufwand im Vergleich zum Vollzeitstudium. Wenn man keine Stelle als Rektor hat, kann man auch nicht diesen Studiengang studieren. Im Klartext, erst muss dich einer als Rektor einstellen, um dir dann danach das Studium zu bezahlen;-)

Ich habe hier in Schweden erst an einem Gymnasium gearbeitet. Nebenbei habe ich als Fernstudium noch Deutsch als Fremdsprache studiert und auch mein Lehrerexamen im Berufsschulbereich gemacht. Bin ursprünglich Friseur mit deutschem Gesellenbrief. Den schwedischen Meister habe ich auch gemacht, weil das eine Vorraussetzung fürs Studium war. Erst bin ich dann Konrektor geworden, und nach einem halben Jahr bin ich dann zur Grundschule gewechselt. 

So weit zu mir! Werde demnächst über meine pädagogischen Ideen schreiben, das hier ist aber zum Verständnis wichtig. 

Vi ses! 

Samstag, 1. März 2014

Was passiert in Deutschland in Sachen Schulentwicklung und Pädagogik?

Ich wohne seit 12 Jahren in Schweden, arbeite seit fast 2 Jahren als Schulleiter und frage mich was eigentlich so in Deutschland in Sachen Schule passiert? Hier in Schweden sind super viele Diskussionen in den sozialen Medien zu sehen, wie z.B. Twitter und Facebook. Viele Lehrer, Schulentwickler und Schuleiter schreiben über ihren Alltag, über ihre Ideen und vor allem über ihre Einstellungen zur Schule. Man diskutiert fleissig was bedeutend für eine Schule ist, wie man die Resultate der Schüler ständig verbessert und was die aktuelle Forschung dazu sagt.
Da mein beruflicher Werdegang durch Schweden geprägt wurde, kenne ich nicht alle Begriffe, die man eigentlich für bestimmte Sachen in Deutschland verwendet. Damit meine ich vor allem die Fachsprache/Terminologie die Schulleiter* oder Lehrer* benutzen. Aber ich denke nicht, dass das ein Problem ist, denn eigentlich reden wir über die gleichen Sachen und wenn nicht, können wir was lernen. Darum geht's ja auch eigentlich auch, dass man/ich/wir etwas voneinander lernen. Kollegiales Lernen, nennt der Schwede das. Sharing is caring. Man berichtet über gute Beispiele, man teilt seine Erfahrungen (auch die, die nicht so gut waren) und dadurch entsteht eine Gemeinschaft, die voneinander lernt und lehrt. Fantastisch, finde ich.
Werde noch mal das Internet durchsuchen, ich finde nämlich im Prinzip keine öffentlichen Diskussionen über Schule, geschweige denn das ich Schulleiter finde, die über ihren Alltag schreiben. Bis jetzt habe ich nur ein paar Schulen gefunden, die eine Homepage haben und darauf präsentiert sich dann der Rektor/Schulleiter.

Wo befindet sich ein deutscher Schulleiter mit seiner Schule? Welche Fragen sind wichtig für sie/ihn? Wie organisiert er/sie Schule, damit die Schüler bessere Ergebnisse erzielen und mehr lernen? Woher weiss man, dass die Schüler mehr gelernt haben? Wer leitet die pädagogischen Diskussionen in Deutschlands Schulen? Welche Forschung liest ein deutscher Schulleiter? Was will eine deutscher Schulleiter verändern? Besucht ein deutscher Schulleiter seine Lehrer im Unterricht? Welche Möglichkeiten gibt es für einen deutschen Schulleiter in Technik zu investieren und will er/sie das eigentlich?

*meine hier alle weiblichen und männlichen Schulleiter und Lehrer, der Schwede macht da nicht so viel Unterschied, es gibt eine Berufsbezeichnung und das ist "Rektor", funktionier für mich und die männliche Belegschaft:-), das gleiche gilt für Lehrer.

Kann auch passieren, dass ich relativ ungezwungen schreibe und mich nicht so formell ausdrücke. Hier geht es um meine Ansichten, meine Meinung, meine Reflexionen und das muss ich in der Sprache machen, die sich für mich natürlich anfühlt.

Hälsningar Yvonne